eddr e.V. befindet sich im Insolvenzverfahren

 

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Liebe Vereinsmitglieder,

 

seit nunmehr neun Monaten habe ich keinerlei Neuigkeiten mehr gestreut.

Klar, die neue Herausforderung als Familienvater und der Jobeinstieg haben ihren Anteil daran gehabt. Leider hat unser Vereinsengagement in den zurückliegenden Monaten jedoch auch einen heftigen externen Rückschlag erlebt. Bis heute ist der Solarcontainer nicht ausgelöst.

Zur Erinnerung: im Dezember 2011 ist der Solarcontainer im Hafen von Abidjan angelandet. Die ivorische Regierung wechselte just im November 2011 und plötzlich wollte niemand mehr etwas von unserer Steuerbefreiung wissen. Zu Beginn war es der Zoll, der mit Forderungen von bis zu 15.000 Euro eine Einigung in weite Ferne verwies. Ab März 2012 begann zudem auch die zuständige Reederei für die Containermiete und die Hafenstandgebühren mit einer Zwangsversteigerung zu drohen. Aus der puren Not heraus begannen wir Gelder aus dem Kaffeegeschäft abwechselnd in Zoll- und Reedereiforderungen zu stecken. Doch vor allem der Zoll hielt sich nicht an die Vereinbarungen und stellt immer neue Rechnungen aus. Parallel dazu stiegen die Standgebühren und damit die Forderungen der Reederei mit jedem Tag weiter an.

 

Immer wenn eine Lösung in greifbarer Nähe schien, hat der jeweils andere Gläubiger taktiert. Im Oktober wurde ich schließlich mit einer Rechnung der Reederei konfrontiert, die über 20.000 Euro lautete. Diese Kosten beziehen sich wohlgemerkt  allein auf Standgebühren und Containermiete. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten  wir uns mit dem Zoll geeinigt und insgesamt 12.000 Euro in die Auslöse investiert. Die Rechnung der Reederei wurde mit dem Hinweis vorgelegt, man würde mich für den möglichen Ausfall der Forderungen persönlich haftbar machen.

 

Vor diesem Hintergrund hat der Vereinsvorstand in einer außerordentlichen Sitzung zum Schutz der ehrenamtlich Aktiven beschlossen einen Insolvenzantrag zu stellen. Dieser Antrag basiert auf der Zahlungsunfähigkeit, da die Forderungen von 20.000 Euro nicht durch das Vereinsvermögen gedeckt sind.

 

In der Folge begannen zähe Verhandlungen mit der Reederei die Forderungen nicht fällig zu stellen und durch ein finanzielles Entgegenkommen die Insolvenz wieder zurücknehmen zu können. Leider führten diese Verhandlungen bis heute nicht zum Ziel. Mittlerweile ist auch der Zoll nicht mehr bereit die Vereinbarungen weiterhin als verbindlich zu betrachten und stellt ebenfalls neue Forderungen.

 

Im Laufe der letzten 365 Tage sind sämtliche Vereinsaktivitäten von dem Bemühen um die Auslöse des Solarcontainers derart im Mitleidenschaft gezogen worden, dass eine Fortsetzung aussichtslos scheint. Zudem droht durch die Insolvenz eine Zwangsabwicklung und Liquidation des Vereins.

 

Auch wenn ich persönlich die oben aufgezeigten Entwicklungen nur begrenzt beeinflussen kann, so werfe ich doch vor, mit einer Naivität in das Solarprojekt gestiegen zu sein, die jeglicher Professionalität entbehrt. Statt die Konzentration auf das erfolgreiche Biokaffeeprojekt zum Ausbau der Kooperative zu nutzen, hat mich der Wunsch der Dorfbewohner nach Strom als neue Herausforderung zu stark gepackt. Die Konsequenz ist nun, dass alle Projektaktivitäten durch die Elektrifizierungsidee zum Erliegen gekommen sind. Sämtliche Kooperativenerlöse aus dem Biokaffeeprojekt und erhebliche private Mittel sind ergebnislos an Zoll und Reederei geflossen. Eine Biozertifizierung für die Saison 2012/2013 ist nicht mehr finanzierbar, sämtliche Beteiligte bleiben desillusioniert und erstarrt zurück.

 

Ich möchte diesen erschütternden und für mich als persönlichen Verlust wirkenden Moment dennoch nutzen um DANKE zu sagen. Danke für die unablässige Unterstützung durch Euch. Obwohl Einige in meinem Umfeld, offensichtlich zu recht, von Beginn an skeptisch waren, ob des Engagements auf dem afrikanischen Kontinent. Nichtsdestotrotz konnten wir gemeinsam in den fünf zurückliegenden Jahren einige wesentliche Erfolge verbuchen. Fünfzehn Trinkwasserbrunnen wurden instandgesetzt, drei Container mit Rohkaffee in Bioqualität in einem Gesamtwert von über 100.000 Euro wurden exportiert und der Rohkaffeepreis einer ganzen Region durch unsere saisonale Präsenz um zwanzig Prozent nach oben getrieben, Infrastrukturen geschaffen, Know-How transferiert. Letztlich hat unser Engagement vor Ort Menschen bewegt und häufig ein stolzes und glückliches Lachen auf ihr Gesicht gezaubert.

 

Mein dringlichstes Anliegen ist, dass dieses Lachen jetzt nicht erstarrt…

 

Sprachlos und tief enttäuscht bleibe ich zurück

 

Benjamin Rochow 

 

 

 

                                                                                                                               

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

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